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28. September

Man kann es nicht oft genug wiederholen: wenn Steinmeier oder Gabriel Deals mit Russland suchen, die auf Kosten derjenigen Staaten gehen, die zwischen Deutschland und Russland liegen, dann knüpft das nicht an Willy Brandts Ostpolitik der sechziger und siebziger Jahre an, sondern and die Ostpolitik Ribbentrops im zweiten Weltkrieg.
 
Heute vor 77 Jahren wurde der Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag geschlossen. Darin haben Hitler und Stalin Litauen gegen Lublin und Teile Warschaus eingetauscht. Deutsche Truppen waren wenige Wochen zuvor weiter nach Osten vorgestoßen, als mit der Sowjetunion im Hitler-Stalin-Pakt vereinbart. Demnach hätten diese Städte von der Sowjetunion eingenommen werden sollen. Um sie dafür zu entschädigen, bekam die Sowjetunion das noch nicht besetzte Litauen.
 

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17. September

“Тут был русский мир” steht auf der Brücke, “Die Russkij Mir war hier”. Der Minderheitenschutz ganz besonderer Art der heute den 77. Jahrestag feiert, a.k.a. Russkij Mir, war dort wo Steinmeier und Ayrault kürzlich auch waren.
Russkij Mir ist ein Schlagwort für das, was Putin auf einer Pressekonferenz im März 2014 verkündete, nachdem russische Spezialeinheiten ohne Hoheitszeichen die Krim besetzten:
“Wir sind besorgt wegen der Orgien der Nationalisten, Extremisten und Antisemiten in der Ukraine. […] Wenn wir das sehen, verstehen wir die Sorgen der ukrainischen und russischen Bürger der Ukraine und der russischsprachigen Bevölkerung im Süden und im Osten der Ukraine […] Deswegen [..] behalten wir uns das Recht vor, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um diese Menschen zu schützen.”

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He who votes extremist gets what he fears most

by Michael Thumann

Translated from German.  The article was published on ZEIT-Online as part of the column “Fünf vor acht.” Photo: Jaap Arriens (WARSAW, 27 February 2016 – On Saturday over 150 thousand people from all over Poland joined in demonstrations against the current government. The march through the city centre is organised by the committee for the protection of democracy (KOD). Poles have been frustrated by actions seen by many as usurpation of power by the conservative Law and Justice party which won the recent elections.)

Currently, a number of cold-war movies are flickering in the cinemas. They convey that lovely feeling of an indeed dangerous, but still comprehensible world of a clear order with discernibility of west from east, right-wing from left-wing, good from evil. Most of all, you can always re‑narrate time and again the story of democracy’s victory over evil, over the Nazis and then over the Soviets.
Those films also seem to express a certain longing, characteristic of our rather confusing times. In those days of the cold war everything was clear: here are the United States, there is the Soviet Union. But today? The pullback of the world power USA, the wars around Europe, jihadists with swords and smart phones, collaborating states, an increasing number of refugees. We are at the beginning of a new era of migration, which—when measured in terms of plain numbers—very well even dwarfs the previous century of expulsion.
The anxiety over the unforeseeable and confusing is growing. And that is increasing the hunger for order and stability, no matter how.

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Krim 2014

Russland und das große Vergessen

Wenn Sie die Geschichte nicht kennen, können Sie nicht verstehen, was Wladimir Putin vor hat

Übersetzung eines Artikels von Anne Applebaum vom 10. November 2015. Bild: “Ukrainian military base at Perevalne during the 2014 Crimean crisis. Russian GAZ-2975 Tigr behind the unmarked soldiers.” (Anton Holoborodko) Das Bild wurde auf ein passendes Format zugeschnitten (Quelle)

Im Sommer 1985 verbrachte ich zwei Monate in der Stadt, die einmal Leningrad genannt wurde. Zusammen mit ein paar Dutzend anderen amerikanischen Studenten waren wir in einem heruntergekommenen Intourist-Hotel untergebracht. Scharfsichtige alte Damen saßen an den Enden eines jeden Flurs; in der Lobby hingen neugierige arbeitslose Männer herum. Jeden Tag gingen wir zum Russischunterricht in die Universität, wo wir ebenfalls davon ausgingen genau beobachtet zu werden. Aber an den Nachmittagen und Abenden durften wir die Stadt erkunden und neue Freunde kennen lernen.
Was wir auch getan haben, wobei rückblickend betrachtet, diese Freundschaften etwas eigenartig und gezwungen waren.
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